Sammelwut und Wertanlage.

Die Gesundung des Oldtimermarktes.

Dass mitunter Oldtimer kräftige Renditen bescheren, ist seit der Niedrigzinsphase kein Geheimnis mehr. Waren es früher oft Schiffsanleihen altersschwacher Asiendampfer, überbewertete Telekommunikationsaktien oder zwielichtige Immobilienfonds, welche Londoner Doppelgaragen als First-Class-Residenzen hochstilisierten, rückte in den letzten Jahren das Geschäft mit dem „Heiligen Blechle“ in den Fokus von Freizeitspekulanten und Profis.

Beide versuchten den schnellen Profit, bevorzugt mit schwäbischem Altmetall, um irgendwie Geld unterbringen zu wollen oder müssen. Selbst bürgernahe Kassenmodelle des Zuffenhausener Sportwagenbauers verzeichneten in den letzten 72 Monaten astronomische Zuwächse, die legendären Flügeltürer von Mercedes brachten es zeitweise sogar im bedauernswerten Erhaltungszustand auf siebenstellige Eurobeträge.

Gesundung des Oldtimermarktes

Mercedes-Benz 300 SL „Flügeltürer“ (Baureihe W 198 I, 1954 bis 1957). (Bild: Daimler.com)

Spätestens mit Abschluss der Oldtimer-Leitmessen der letzten Monate macht sich nun Katerstimmung in der Investoren-Szene breit. Kein Trend hält ewig, schon gar nicht, wenn die Bodenhaftung verloren gegangen ist. Das war beim Aktien-Hype der späten Neunzehnhundertneunziger Jahre nicht anders. Dennoch: Zum Kilopreis werden die Beaus der vergangenen Jahrzehnte auch nicht mehr zu haben sein, zumindest wenn sie nach der Marktbereinigung, klarem Verstand und erwiesener Seltenheit das Zeug zu echten Sammlerstücken behalten haben.

Was für die einen schlecht, ist für andere wiederum gut: Die Preisbereinigung und Gesundung des Oldtimermarktes verhilft den echten Fans und Sammlern, also derer, die sich liebevoll mit viel Zeit und Geld ihrem Hobby widmen, wieder Transparenz und Zugang in Sachen automobilen Kulturgut. Das war auch bitter nötig, denn wenn auch der Oldtimer-Hype der letzten Jahre dem rostigsten Hobby der Welt, weg vom alten Stinker-Image zu breiter, wohlwollender Akzeptanz in der übrigen Gesellschaft verholfen hat, schüttelten die eingefleischten Enthusiasten beim Besuch der großen Oldtimer-Messen nicht selten ratlos die Köpfe über die ausgeschilderten (Un-)Summen der feilgebotenen Exponate. Zudem bescherte der Markt eine subjektive Überpräsenz bestimmter Marken und Modelle auf den Messen, was auch den messbaren Besucherrückgang zumindest teilweise erklärt, denn Langeweile machte sich spürbar breit. Es geht schließlich auch niemand ständig in Boutiquen, die Kleidung fernab der eigenen finanziellen Möglichkeiten anbieten!

Text: Ingolf Gottstein

Schnäppchen, Sammlerstücke und Exoten gibt es vom 28.-30.09.2018 auf der YOUNGTIMER EXPO 2018.

Kommen Sie vorbei und finden Sie Ihren automobilen Traum!