Spießbürgertum aus Fernost: japanische Autos erobern Deutschland.

Da braut sich was zusammen über deutschen Stammtischen!

Irgendwann Mitte der Achziger. Irgendwo in einem niederbayrischen Wirtshaus. Eiche Rustikal und „Gelsenkirchner Barock“ soweit das Auge reicht. Die Männer im karrierten Hemd und Oberlippenbart im Schimanski-Stil zerbrechen sich den Kopf. Was soll nur werden? Der Autohändler im Ort hat kürzlich einen Werbepilon aufgestellt : MAZDA! Japanische Autos erobern Deutschland.

japanische Autos

Nissan 280 ZX 1978-1982- japanischer Grand Tourismo (Bild: Wikipedia)

“Unser oaner fahrt koan Japaner”, raunt einer der Stammtischgäste. “Mir hoam den Ascona, des is was Richtiges. Der Nostradamus hoat ja schon vor 500 Jahren vor der „Gelben Pest“ gewarnt, jetzt ist sie da. Mitten in unserem Ort!”

Während in der damaligen DDR 1982 freudig das magere Kontingent von 10.000 Mazda 323 vom Außenhandelskontor begrüßt wurde, stand man jenseits der Mauer japanischen Autos, die seit den Siebzigern ins Land kamen, recht skeptisch gegenüber. Zwar war ja niemand gezwungen, ein solches Auto zu erwerben, aber gerade in ländlichen Gegenden kaufte man ja traditionell vor Ort.

Was hatte sich der Autohändler also nur dabei gedacht?

Ihn dürfte vor allem die recht niedrigen Vorgaben und Anforderungen an seine Räumlichkeiten der jungen Importeure gereizt haben. Das hielt seinen Investitionsaufwand in Grenzen. Nicht selten gab es japanische Autos sogar an Tankstellen zu kaufen! Dazu die Preise. Unschlagbar, vor allem wenn man die vergleichsweise üppige Serien-Ausstattung aus Fernost mit hiesigen Derivaten verglich. Samtvelours, Metalliclack und ab den Achtzigern durchaus moderne Karrossen und zeitgemäße Technik.

Alles Rostlauben, diese Japaner!

Ja, Japan hatte schnell gelernt. Die Zeit des kopierten Ami-Barrock und blattgefederten Starrachsen war Anfang des neuen Jahrzehnts vorbei. Zwar rosteten die Autos aus Fernost schneller als das Bier im Maßkrug seinen Schaum verlor, aber das war bei den deutschen und europäischen Autos damals auch nicht wirklich anders. Das wusste man freilich auch am Stammtisch, aber ignorierte es. Alles Rostlauben, diese Japaner! Deutsche Autos und der Fußball stützten den übriggebliebenen Patriotismus der Nachkriegsrepublik, könnte man meinen.

japanische Autos

Nissan Laurel (Bild: Wikipedia)

Wie die Geschichte am Stammtisch weitergegangen ist, wissen wir. Der Bauer Maier holte sich als erster so einen neuen Japaner beim örtlichen Händler. Im Wirtshaus flüsterte man über die luxeriös anmutende Ausstattung mit weichem Samt hinter vorgehaltener Hand. Sogar elektrische Fensterheber soll Maiers Auto Haben! Da konnte auch der 230 Mercedes vom Bürgermeister nicht mithalten. Und dann der Motor! Den hörst garnett. Is doas gaoar oan Sechszylinder? Nein, das war er nicht.

Die japanischen Neulinge ließen die Ascona, Taunus und Passat bald alt aussehen. Zumindest im subjektiven Vergleich. Sie verkauften sich so gut, dass der Autohändler im Ort bald anbauen musste, weil einer nach dem anderen Stammtischrunde seine Vorurteile aufgab. Zu verlockend waren Preis, Zuverlässigkeit und Ausstattung. Verschiedene japanische Marken führten abwechselnd ab Mitte der Achtziger sogar die Zulassungsstatistik für Importwagen an, deutlich vor den Franzosen und Italienern. Denn die Qualität stimmte. Dermaßen sogar, dass nicht wenige japanische Autos nach langem Dienst auf deutscher Autobahn noch im hohen Alter nach Afrika verschifft wurden und dort nicht selten bis heute die staubigen Pisten des schwarzen Kontinents unter die Räder nehmen.

japanische Autos

Honda Prelude MK2 1985-89

Die Abwrackprämie und das Exportgeschäft der Kiesplatzhändler dünnte schließlich den Bestand dieser Autos hierzulande in den letzten Jahren stark aus. Dennoch, sind hin und wieder gut erhaltene japanische Autos aus verrentetem Vorbesitz zu ergattern. Zunehmend entwickelt sich eine treue Fangemeinde und erfreut sich an den Nehmereigenschaften dieser seltengewordenen Fahrzeuge. Allerdings ist die Teileversorgung nicht immer ganz einfach und teils recht teuer. Aber wer heute einen chicen Nissan Laurel, damals nicht nur neidlos als Japan-Mercedes bezeichnet, ergattern kann, einen mondänen Toyota Crown, oder einen schnittigen Mitsubishi Sapporo, hat definitiv einen Exoten im Young-und Oltimersegment. Die sportlichen Datsun/Nissan ZX, Mazda RX7 mit Wankelmotor oder Honda Prelude sind hingegen längst Kult.

Text: Ingolf Gottstein

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