Ein großes Stück vom Kuchen, bitte!

Youngtimer als Investition – eine Betrachtung.

Die Null-Zins-Politik der letzten Jahre hat dem rostigsten Hobby der Welt einen wahrlichen Boom beschert, mit teils beachtlichen Gewinnen und Akzeptanz in großen Teilen der Gesellschaft. Alte Autos sind für Investitionen attraktiv geworden und verschieben das Image vom abgetragenen Altblech zum interessanten Investitionsgut. Für die, die rechtzeitig das günstig einkaufen, was später ziemlich teuer werden kann, ein gutes Geschäft.

Alles was irgendwie nach schwäbischen und bayrischen Nobelmarken riecht, scheint derzeit bares Geld wert zu sein, jedenfalls wenn es in Würde alt geworden ist und nicht allzu häufig gebaut. Oberitalienische Springpferdchen hingegen waren bis auf wenige Ausnahmen nie wirklich billig und sind daher eher kein Geheimtipp. Aber auch hier kann man Schnäppchen machen.

Günstig kaufen, ein paar Jahre fahren und teuer verkaufen. Klingt doch gut.

Verständlich, dass manch einer vom satten Gewinn bei einem Youngtimer als Investition träumt. Immerhin scheint dieser kalkulierbarer als vier Richtige im Lotto. Zumindest wenn man Ahnung von der Materie hat und ein paar Dinge beachtet.

Das mit der Ahnung ist allerdings so eine Sache. Denken wir an den Aktien-Hype Ende der 1990er Jahre, als auf einmal Opa, Onkel, Tante, Nachbar alle irgendwie Ahnung hatten und an der Börse zockten, um einmal richtig abzusahnen. Freilich meist mit stimmlosen Aktien der Telekom, bei denen sie erst später eine Ahnung bekommen sollten, was das bedeutet. So ist es natürlich auch beim Handel mit mobilen Kulturgut, egal ob Old- oder Youngtimer als Investition.

Feste Größe im Sammlermarkt: Porsche 911

Wenn es rentabel sein soll, ist ein sicherer Weg die Investition in einen Porsche 911. Welcher ist eigentlich egal, nur luftgekühlt sollte er sein, um richtig interessant zu werden.

Ohne Schwierigkeiten ist der Verkehrswert mit einem Blick in die Onlinebörsen zu ermitteln oder noch einfacher aus den Notierungen von Classic Data oder Classic Analytics abzulesen. Passt jetzt noch Zustand und Historie, und der ausgerufene Preis liegt deutlich unter der aktuellen Notierung, ist alles perfekt. Aber dieses Schnäppchen dürfte wohl nur noch selten machbar sein, denn auch auf dem letzten Großbauernhof gibt es Internet und der vermögende Landbesitzer weiß genau, was die Rennsemmel seiner Sturm-und Drangjahre heute wert ist, nachdem  sie die letzten 30 Jahren halb vergessen in der Scheune stand. Ja, der Zug beim luftgekühlten Elfer scheint weitestgehend abgefahren und Reimporte aus den USA und Japan ein ganz eigenes Thema. Aber Wertstabil ist er höchst wahrscheinlich allemal, nur darf er eben nicht viel zu teuer eingekauft werden. Gold hortet man schließlich auch nicht, wenn der Kurs auf Rekordniveau liegt. Selten aber manchmal noch zu reellen Kursen feil geboten sind die 911 der frühen Neunziger, die auf die interne Bezeichnung 964 hören. Deren Enkel ab 1998 sind wassergekühlt und teils schon zum Preis eines neuen Kompaktwagen zu haben. Fahrspaß vermitteln diese intern als 996 bezeichneten Typen allemal, ob sie einmal wirklich wertvoll werden, kann man derzeit nicht wirklich voraussgen.

Einstieg mit Minimaleinsatz

Mit einem bodenständigen Mercedes 190 der Achziger bis frühen Neunziger Jahre hingegen, lassen sich mühelos die Einstandsinvestitionen verzehnfachen. Zumindest wenn Sie einen in Ersthand gereiften Garagen-Babybenz mit wenig Kilometern für einen Tausender aus der Garage des kürzlich verstorbenen Nachbarn in Ihre Einfahrt verschoben haben. Der Verblichene orderte sein Pensionärsauto vor einer halben Ewigkeit mit dem 2,3-Liter-Vierzylinder oder gar mit einem Sechsender, gekoppelt an eine Automatik. Die ehemals sündhaft teure Klimaanlage tauchte ebenso auf der Neuwagenrechnung auf, wie das Schiebedach nebst elektrischen Fensterhebern. Ach ja, die Sitze sind natürlich mit „Sport-Karo“ bezogen, passend zum blauschwarzen Metalliclack, Code 199.

Youngtimer als Investition

Mercedes-Benz Typ 190 D – 190 E 2.6 der Baureihe 201 (Bild: Daimler.de)

Ehrlich, wenn Sie den so finden: Zuschlagen!

Für einen solchen Kameraden erzielen Sie tatsächlich eine Rendite, die Ihnen Ihre Bank im Traum nicht bieten kann! Aber, wie eingangs erwähnt, sollten Sie schon etwas Ahnung haben. Und Nerven. Die Lektüre der einschlägigen Kaufberatungen ist natürlich Pflicht – das gilt natürlich für alle Preisklassen –  um unangenehme Überraschungen im Nachhinein zu vermeiden. Logisch, das Auto ist ja mindestens 25 Jahre alt. Die kühlen Nerven brauchen Sie, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Denn hat Nachbars Benz statt voller Hütte nur ein schnödes Viergang-Schaltgetriebe, angeflanscht an den eher asthmatisch wirkenden Einsachter-Motor und statt Klima nur oldschool Frischluft via Kurbelfenster, muss die Gewinnerwartung herunter geschraubt werden. Selbst wenn der Kleine in der sogenannten Buchhalterausstattung im Bestzustand ist, bekommen Sie derzeit vielleicht nur drei bis viertausend Euro dafür. Und das nur, wenn nicht auch noch eine heute unmögliche, damals aber ernsthaft mögliche Farbkombination von Lack und Polstern die Geschmacksnerven aktueller Interessenten strapazieren.

Allerdings: Auch die vergleichsweise magere Verdreifachung unseres Rechenbeispiels kann Ihnen Ihre Bank  nicht offerieren und obendrein haben Sie Spaß. Ob als kultiger Daylidriver oder liebgehabtes Freizeitgerät: Ein 190er ist immer cooler als ein neuer Kleinwagen auf Kredit.

Youngtimer als Investition

Mercedes-Benz Typ 190 E 2.5-16 Evolution, 1989 (Bild: Daimler.de)

Ah ja, es ging ja um ein großes Stück vom Kuchen. Da muss ein anderer 190er herhalten, aber wir bleiben im Hause Mercedes beim Beispiel „Baby-Benz“. Wer vor vielleicht 10 Jahren einen der auf 502 Stück begrenzten DTM-Homologationsmodelle vom Schlage eines 190E 2,5 16V Evo II erstanden hatte, wird aus den damals rund 30.000 Euro Anschaffungsaufwand  die 150.000 Euro Marke heute locker knacken können, wenn Zustand und Historie passen.

Was heißt das also für uns heute und jetzt, wenn wir auch einmal Glück haben wollen?

Die Marke ist wichtig! Porsche, BMW und Mercedes sind in der Regel eine sicherere Bank als Seat, Yugo oder Lada. Auch Astra und Escort haben zwar immer noch Alltagsqualitäten, sind aber wertmäßig bis auf Ausnahmen eher mit gedämpfter Renditeerwartung zu verbinden. Irgendwie einleuchtend. Die Teileversorgung bei Benz und co. ist dazu noch vergleichsweise perfekt, was auch den Erhalt erleichtert und für allgemeine Beliebtheit sorgt.

Youngtimer als Investition

BMW 316 i E36 (Bild: BMW)

Und natürlich ist die Stückzahl von Bedeutung: ein massenhaft produzierter BMW 316i der Baureihe E36 wird noch Jahre brauchen, um selbst im Bestzustand fünfstellige Erträge zu erzielen. Wenn überhaupt. Sein Sportsfreund M3 gleicher Serie ist da schon ein anderes Kaliber und kostet schon jetzt im guten Zustand locker zwanzig tausend Euro, Tendenz steigend. Aber so wertvoll wie sein legendärer Vorgänger „E30“ M3 wird er vermutlich nicht. Warum? Es gab zwar deutlich weniger M3 der zweiten Serie als 316i, aber immer noch zu viele, um im Kurs zu explodieren und das Zeug zum seltenen Exoten zu haben. Dies muss man bei aller Kauflust und Euphorie im Kopf haben, wenn es nur um Rendite geht. Geht es Ihnen auch ums fahren, bekommen Sie ein faszinierendes Fahrgerät, dem auch heute noch die linke Spur gehört. Und das bei so oder so steigendem Wiederverkaufswert.

Youngtimer als Investition

Lotus Omega (Bild: Wikipedia)

Last but not least, der Zustand entscheidet.Wenn Sie einen raren Lotus Omega mit durchgegammelten Schwellerpartien für kleines Geld ergattern, lohnen auch umfangreiche Schweißarbeiten samt Neulack. Denn den 377 PS starken Brandstifter im sprichwörtlichen Biedergewand gab es nur 998 mal. Weltweit. Der Aufwand bei einem „normalen“ Opel Omega 3000 24v, auf dem er basiert, sollte sich hingegen auf Lackstift-Kosmetik beschränken müssen. Beim einfachen 2 Liter sowieso. Denn ihm fehlt der magische Zusatz „Lotus“, das sportliche Herz und wurde vergleichsweise massenhaft gebaut. Selten kosten selbst Topexemplare mehr als niedrige fünfstellige Beträge. Zumindest aktuell, auch wenn der seidige Reihensechser des 3Liter 24Vfür Otto Normal ausreichend Leistung besitzt, eine klasse Straßenlage hat und auch heutzutage durchaus Laune macht.

Alles zu kompliziert? Mag sein, aber auch Opa, Onkel, Tante, Nachbar mussten nach dem Aktiencrash Anfang 2000 erkennen, dass gute Gewinne eben nur selten mit Halbwissen und reinem Glück zu erzielen sind, auch bei einem Youngtimer als Investition nicht.

Einen todsicheren Anleger-Tipp bekommen Sie zum Schluss aber dennoch:
Youngtimer als Investition

BMW 8er E31 (Bild: BMW)

Am Ende des Jahres präsentiert BMW seinen neuen Achter. Sie können Wetten darauf abschließen, dass die Preise für die derzeit noch unterbewerteten Ur-Achter der Baureihe E31 in die Höhe gehen. Das war bei den Sechser Coupés genauso. Aber geben Sie darauf acht, was für ein Modell Sie sich aus der Achter-Serie als Anlageobjekt sichern! Kleine, aber feine Unterschiede haben später mitunter große Wirkung. Passt der Steinschlag auf der Front zum abgelesenen Kilometerstand, das Scheckheft auch zur Fahrgestellnummer? Ist ein häufiger 12-Zylinder mit Automatik und meist vorprogrammierten Schwierigkeiten an Bord oder ein rarer Handschalter mit sechs Gängen? Wohlklingende Zusätze wie „CSI“ in der Typenbezeichnung sind bares Geld wert. Gehen Sie auf Nummer sicher, sparen Sie sich großzügig vier Zylinder und greifen Sie zu einem im Allgemeinen problemlosen vier-Liter-V8, genannt 840I oder CI. Scheckheftgepflegt, unfallfrei, unter 150.000km gelaufen und wenig Vorbesitzer. Die derzeit dafür fälligen rund 30.000 Euro bescheren Ihnen ein Über-Coupe deutscher Ingenieurskunst für stilvolle Spritztouren in den nächsten Jahren und einen standesgemäßen Auftritt, egal wo Sie vorfahren – garantierter Wertzuwachs inklusive. Das beste dabei: Diese Investition bereitet Ihnen sogar noch Freude am Fahren.

Text: Ingolf Gottstein

Schnäppchen, Sammlerstücke und Exoten gibt es vom 28.-30.09.2018 auf der YOUNGTIMER EXPO 2018.

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